Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Fintech-Branche

Interview mit area2invest CEO Max J. Heinzle

 

Bitkom sieht die Corona-Krise auch als Chance für die Digitalisierung in Deutschland. Kann dies auch der Fintech-Branche neuen Schub geben und möglicherweise auch zu neuen Entwicklungen auf regulatorischer Ebene führen?

Absolut, die Corona-Krise zeigt, dass sämtliche Industrien jetzt geradezu gezwungen werden, sich digitaler aufzustellen. Nehmen wir beispielsweise die Schweiz: Aufgrund der Corona-Krise wurde unter anderem per Bundesratsbeschluss die Versammlung von Gesellschaften elektronisch möglich gemacht, sodass Mitglieder ihre Rechte ab sofort in elektronischer Form umsetzen können. Solche Entwicklungen sehen wir auch in Deutschland. Ich gehe davon aus, dass der „Digital-Dinosaurier“ Deutschland nun mehr und mehr feststellt, dass eine intensivere Digitalisierung unumgänglich ist und dieses Thema oben auf die Tagesordnung gehört. Alleine in der Fintech-Branche beobachte ich seit Wochen einen sehr starken Zuwachs an Onlinebesucherzahlen bei verschiedenen Anwendungen.

 

Welche Chancen bieten sich Fintechs in Zeiten der Corona-Krise bzw. danach?

Die Corona-Krise trägt gerade maßgeblich dazu bei, die letzten Barrieren zwischen traditioneller Bankwelt und Fintechs aufzubrechen. Galten Fintechs früher gerne als Versuchskaninchen für großen Banken, sehe ich gerade in den letzten Wochen, dass in unserer Branche Partnerschaften zwischen beiden Seiten im Eilverfahren verhandelt werden. Durch die Corona-Krise werden nun auch die letzten Kritiker der Digitalisierung verstanden haben, dass wir einerseits an unsere Grenzen einer Wirtschaft ohne Digitalisierung stoßen und andererseits neue Konsumentenbedürfnisse erkennen müssen, die es zu befriedigen gilt.

 

Welche Vorteile haben Fintechs gegenüber klassischen Anbietern auf dem Finanzmarkt?

Fintechs sind flexibler als die großen Akteure und können sich so schneller an die Kundenbedürfnisse anpassen. Zwar schaffen es viele der Fintechs nicht, einen gewissen Reifegrad zu erreichen, um langfristig auf dem Markt zu bleiben, dennoch bereiten einige der deutschen Fintechs der traditionellen Finanzindustrie jetzt schon ordentlich Kopfzerbrechen. Tatsache ist, dass die Deutschen ungern ihre eigene Hausbank wechseln – und das ist den Banken sehr wohl bewusst. Sie wägen sich in Sicherheit, dass der Kunde “sticky” ist, also vielleicht auch trotz Unzufriedenheit bei der Bank bleibt. Allerdings sind vor allem die sogenannten Millennials viel wechselfreudiger als die Generation der Babyboomer. Ihre Erwartungen an die Bank sind hoch und sie scheuen nicht davor zurück, den Anbieter zu wechseln, um bessere Online-Banking-Lösungen oder neue Investitionsplattformen zu nutzen.

 

Suchen Anleger heute andere Investitionsmöglichkeiten als vor der Krise? Warum könnte dies der Fall sein?

Wir sehen heute vor allem eines: Die Rendite bei Sparbüchern ist lächerlich klein. Kein Wunder, dass Millennials nach interessanteren, vielleicht auch riskanteren, Investitionsmöglichkeiten wie alternative Anlageprodukte oder auch Bitcoin bzw. Kryptowährungen suchen. Konzepte wie die Riester- oder Rürup-Rente werden da nicht konkurrieren können. Der Anlagehorizont ist kürzer geworden, der Risikoappetit oftmals auch höher. Das ist eine gefährliche Mischung für unsere nächste Generation, aber auch eine Chance für alternative Investitionsanlagen.

 

Bietet Deutschland für Fintechs eine gute Gründungs- und Entwicklungsumgebung? Welche Schritte muss Deutschland noch unternehmen, um „Fintech-geeigneter“ zu werden?

Wir sind auf gutem Weg in eine Start-up-freundliche Umgebung. Auf der Kapitalseite sehen wir Wagniskapitalfonds außerhalb von Europa, die nun aufgrund attraktiver Start-ups in den europäischen Markt einsteigen, auch wegen moderater Bewertungen. In Deutschland haben wir einen großen Talentpool an Experten und Fachleuten, die sich nun auch mehr und mehr als Unternehmer engagieren. Gleichzeitig nimmt die Zusammenarbeit zwischen Großunternehmen und Start-ups Fahrt auf. Das lässt sich auch an der steigenden Anzahl an europäischen Tech Unicorns erkennen. Ich bin sehr zuversichtlich und glaube weiterhin an das deutsche Tech-Wunder.

Blog

Kostenlose Whitepaper & exklusive Reports

 

Erhalten Sie unser neues Whitepaper “On the State of Adoption in Decentralised Finance” und exklusive Ankündigungen über Platzierungen am Primärmarkt.

In unregelmässigen Abständen erhalten Sie Informationen über unsere Produkte und Anzeigen. Sie können sich jederzeit vom Erhalt des Newsletters und anderen Mitteilungen abmelden.

Der Newsletter und andere Mitteilungen werden in Übereinstimmung mit unserer Datenschutzrichtlinie versandt.