Interview mit Patrick Schütze, Geschäftsführer der neoFIN GmbH

area2invest hat mit Patrick Schütze, Geschäftsführer von neoFIN, über Impact Investing und den Green Ship Token als Green Deal gespochen. 

 

Was ist der Vogemann Green Ship Token?

Beim Vogemann Green Ship Token handelt es sich um das erste digitale Wertpapier im Bereich der nachhaltigen Bulk-Schifffahrt, emittiert von der Hamburger Reederei Vogemann. Genauer gesagt: in Token verkörperte qualifiziert nachrangige Genussrechte. Das eingeworbene Kapital wird für die Anschaffung von Massengutfrachtern (engl. Bulker) mit eigenen Bordkränen verwendet, einen Schiffstyp, der durch seine Größe und Ausstattung besonders flexibel und nahezu überall einsetzbar ist. Bulker transportieren Rohstoffe wie Getreide, Düngemittel, Kohle, Erze, Mineralien sowie Stahl- und Forstprodukte – Güter, die die Grundlage für die Dinge unseres täglichen Bedarfs bilden. Bulker übernehmen annähernd die Hälfte des weltweiten Seetransports.

Das Gesamtemissionsvolumen des Green Deal beträgt 50 Millionen US-Dollar (USD). Institutionelle und private Anleger können sich ab 1.000 USD beteiligen. Der Wertpapierprospekt des Green Ship Token wurde am 3. Juli 2020 von der FMA Finanzaufsicht Liechtenstein zur Veröffentlichung gebilligt. 

Die Zinsen liegen bei 8 Prozent p.a., außerdem gibt es ein Profit Sharing in Höhe von 50/50 zwischen Anlegern und Emittentin, soweit es der wirtschaftliche Erfolg der Emittentin zulässt. Was bedeutet das im Klartext? Wenn mehr Gewinn erwirtschaftet wird, wird das Plus geteilt. Schon wenn 12 Prozent erwirtschaftet werden, heißt das jeweils 2 Prozent mehr Zinsen sowohl für die Anleger als auch für Vogemann. Aus unternehmerischer Perspektive ist da völlig klar, dass das Management sich dafür ins Zeug legen wird. Denn erst dann wird es ja richtig interessant!

 

Erzählen Sie uns mehr über die Reederei Vogemann und die Idee hinter dem Security Token Offering

Ich kenne die Reederei Vogemann schon lange Jahre, wobei die auch nur ein Bruchteil ihrer Historie darstellen. Gegründet wurde sie nämlich bereits 1886, also ein echtes Traditionsunternehmen. In diesen Jahren hat sich ein großes gegenseitiges Vertrauen entwickelt. Wenn jemand weiß, wie Bulkschifffahrt funktioniert, dann ist es das Vogemann-Team. Das liegt auch daran, dass Vogemann die Reederei, die eigene Maklerei und verschiedene Servicegesellschaften unter einem Dach vereint. Sprich: Nicht nur die eigene Flotte wird verchartert, sondern auch eine große Anzahl anderer Schiffe. Die Marktkenntnis, die sich daraus ergibt, und das eng verdrahtete Netzwerk sind einzigartig. Nicht umsonst ist Vogemann der einzige deutsche Teilnehmer, der seine Panel Broker Daten für den Baltic Dry Index (BDI) an der Baltic Exchange in London liefert.

Als sich die Pläne der neoFIN Hamburg für den ersten STO konkretisierten, war ich recht schnell mit den geschäftsführenden Gesellschaftern der Reederei Vogemann, Herrn Arndt und Herrn Lange, im Gespräch dazu. Und obwohl ich noch zahlreiche weitere Gespräche mit anderen möglichen Emittenten geführt habe, darunter sogar auch anderen Reedereien, war mir recht schnell klar: Die sollen es sein. Dieser konsequente nachhaltige Ansatz, der auch nicht nur angestrebt, sondern bereits gefahren wird, hat mich überzeugt. Vermutlich spielt meine Liebe zum Meer dabei auch eine Rolle, ich bin selber einst zur See gefahren. Die Leidenschaft für Schiffe hat mich nie wieder losgelassen.

 

Warum ist der Green Ship Token ein Green Deal?

Hier gibt es unterschiedliche Aspekte. Im Vordergrund stehen sicherlich die CO2-Emissionen, die in der Öffentlichkeit ja viel diskutiert und die ab 2021 ja auch mit dem nationalen CO2 -Emissionshandel abgestraft werden. Die Schifffahrt ist hier auch ein gern gescholtene Branche, wobei die Emissionen im Vergleich zu anderen Transportmitteln wie Flugzeug, LKW oder Güterverkehr deutlich geringer sind. Vogemann ist hier bereits ganz weit vorn:

Weltweit gibt es derzeit genau zwei Handysize-Bulker, die schon heute die CO2-Emissionsanforderungen der International Maritime Organisation (IMO) erfüllen, die erst ab 2029 verbindlich sind. Wir sprechen hier von einer CO2-Reduktion von über 30 Prozent. Beide sind Neubauten von Vogemann.
 

Doch die grüne Schifffahrt hat noch mehr Seiten. Hier geht es auch um die Vermeidung von anderen Treibhausgasen, von Schwefelemissionen, um schonenden Umgang mit Ballastwasser und generell um Treibstoff- und Energieeffizienz. Auch hier setzt Vogemann schon heute Maßstäbe. Die von Vogemann in den letzten Jahren in Dienst gestellten Schiffe verbrauchen zwischen 30 und 50% weniger Treibstoff als „non eco“ Schiffe. Durch den Green Ship Token können Investoren also direkt den Ausbau der modernen Flotte unterstützen und einen Beitrag zum Aufhalten des Klimawandels leisten. Und der Deal dabei ist klar – 8 Prozent Zinsen p.a. und die 50-prozentige Gewinnbeteiligung, siehe oben, können sich sehen lassen, wie wir finden. 

 

Wie beurteilen Sie den Trend des Impact Investing?

Mit einem Wort: großartig! Ich bin ja schon lange im Bereich der Kapitalanlagen unterwegs, unter anderem mit Produkten im Bereich der Erneuerbaren Energien oder Waldinvestments. Lange Jahre hatten nachhaltige Finanzanlagen den Ruf, dass ihre Rendite nicht attraktiv sei. Diese Wahrnehmung hat sich jetzt komplett geändert. 

Und Impact Investing geht dabei ja noch einen Schritt weiter, hier geht es ja um Nachhaltigkeit im ganz erweiterten Sinne. Wenn sich das wirkungsorientierte Anlegen weiter in den Köpfen der Investoren verankert, können wir uns auf eine bessere Welt freuen. Ich bin selber Familienvater und habe daher ein ureigenes Interesse daran, dass unser Planet noch lange bestehen bleibt. Und wie man sieht: Die Renditen im Impact Investing müssen sich beileibe nicht verstecken, die laufen wunderbar.

 

Welche Chancen sehen Sie für die Investmentbranche durch die Blockchain-Technologie?

Ich sehe hier ein unermessliches Potenzial. Tokenisierte Assets entwickeln sich global zu einer ernstzunehmenden Alternative zu klassischen Investmentvehikeln und stellen regelrecht einen Paradigmenwechsel dar. Das Aufbrechen vorhandener Strukturen, das Reduzieren von Intermediären und die enormen Kostenvorteile gegenüber der klassischen Verbriefung von Wertpapieren bedeuten einen Quantensprung im Kapitalmarkt. Digitalisierung von Anlageprodukten ist eben mehr als nur den Verkaufsprospekt als PDF-Datei ins Internet zu stellen. 

Mein Einstieg in die Blockchain-Technologie dazu kam übrigens über Kryptowährungen. Das Entstehen habe ich aufmerksam relativ von Anfang an mitverfolgt und mich auch schnell für die Technologie dahinter interessiert. Über das Mining haben wir dann schon erste Kapitalanlagen konzipiert und die Szene sehr genau verfolgt. Als die rechtlichen Voraussetzungen für STOs dann endlich kamen, waren wir schon startklar. 

 

Welche Entwicklungen zeigen sich im Bereich der Schiffsfinanzierung?

Wir sehen hier einen interessanten Trend. Schiffsfinanzierungen sind aufgrund ihrer Historie immer noch eine Herausforderung. Die klassische Schiffsbeteiligung ist nun einmal verbrannt und tot. 

Bei nachhaltigen Schiffen wie den Green Dolphins jedoch ist das Interesse auch auf Seiten der Banken und Institutionellen Investoren gigantisch. Das gilt nicht nur für Kreditfinanzierungsangebote, unter denen wir quasi wählen können, sondern auch für Private Placements. Die Kombination aus umweltfreundlich + unverzichtbar für die weltweite Versorgung ist einfach grandios und kommt an. Und das ist auch gut so, denn wir brauchen solche Schiffe wie die Green Dolphins – und mutige Mittelständler wie die Reederei Vogemann, die auch als Traditionsunternehmen mal ganz neue Wege gehen wollen. 

 

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